Team Feierwerk

72 Stunden in der Druckerei – so entsteht unser monatliches Print-Programm

Garantiert habt ihr mich schon mal irgendwo im Feierwerk gesehen. Im Café Kranhalle hänge ich rechts neben dem Zugang zur Bühne. In der Hansa 39 schaue ich euch in die Augen, während ihr darauf wartet, dass die netten Jungs und Mädels euch eure Jacken und Taschen an der Garderobe abnehmen. Im Sunny Red starre ich euch an, wenn ihr mal schnell verschwinden müsst. Ich bin 21 x 10 cm groß, wenn ihr mich das erste Mal seht und in die Hand nehmt. Entfalte ich meine volle Informationspracht, wachse ich um das Sechsfache. Jeden Monat bekomme ich ein neues Kleid, frisch designt von Künstler*innen im Feierwerk Farbenladen. Wer ich bin? Das monatliche Print-Programm vom Feierwerk.

Schon seit einigen Jahren trefft ihr mich auf Konzerten und Partys, oder bekommt mich von unseren Promoter*innen auch außerhalb des Feierwerks in die Hand gedrückt. Wie ich an das Ziel komme, euch über tolle Veranstaltungen zu informieren, erzähle ich euch jetzt.

Vom Layout bis zum Proof

Am Anfang heißt es für die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Feierwerk: Datenbank checken, Termine sammeln und sämtliche Konzert- und Partyveranstaltungen auflisten. Ist der Monat voll, gehen die Termine aufbereitet weiter an den Grafiker, der das Layout erstellt. Nach einigen Korrekturrunden über die Öffentlichkeitsarbeit, wird eine digitale Version von mir an die Druckerei weitergeleitet. Dort angekommen, bekomme ich eine eigene Mappe. In dieser landet einer meiner älteren Brüder sowie alle Infos zum neuen Auftrag. Sobald alles zusammengestellt ist, wird die Mappe weitergegeben an die Herren der Mediagestaltung. Hier werde ich als Grafik auf die Größe der zu druckenden Flächen angepasst und es wird festgelegt, wie die Drucker mich auf das Papier bringen müssen. Sobald der Gestalter fertig ist, sendet er einen sogenannten „Proof“, eine Art digitalen Probeabzug, an das Feierwerk und dessen Grafiker. Geben diese mein neues Outfit frei, geht’s weiter zur Belichtung.

Bei der Belichtung werden meine Inhalte erst mal auf Aluminiumplatten aufgeteilt. Insgesamt vier davon gibt es, für jede Grundfarbe eine. Pro Ton werden auf die Platte bestimmte Flächen eingeätzt, die beim Drucken im Anschluss dann nur ihre zugeteilte Farbe tragen. Sind alle vier Platten durch die blaue, nach faulen Eiern riechende Flüssigkeit, durch, darf ich mich erstmal die Nacht über ausruhen, bevor es am nächsten Tag weiter zu den Druck-Maschinen geht.

Lautstark in den Druckwalzen

Einige Stunden sind vergangen, die Sonne geht auf und ich starte meinen Weg zur nächsten Etappe. Jetzt wird es laut. Je näher ich den Maschinen komme, desto aufgeregter bin ich. In der großen Halle angekommen, laufen die 3 Off-Set-Drucker schon auf Hochtouren. „Sche-Schick, Sche-Schick, Sche-Schick“ lassen die 6 x 1,50 m langen Drucker im konstanten Rhythmus von sich lauten. Ein bisschen schläfrig wird man davon. Irgendwann ist der vorherige Druck eines Verlages fertig, und meine Zeit ist gekommen. Mit einem Hebel knicken die Drucker (so heißen auch die Angestellten, die sich um mich kümmern) meine Enden um, damit ich mich auf den Walzen in den Maschinen festkrallen kann. Sind die Platten alle richtig eingespannt, holen die Helfer das passende Papier aus dem Lager. Das wird richtig platziert, und der erste Druck vom neuen Programm startet. Am anderen Ende wartet schon der Meister auf mich und zieht ein Exemplar vom bedruckten Stapel heraus. Damit mein Aussehen auch perfekt ist, wird der Druck auf einem speziellen Tisch abgelegt. Dieser ist in bestimmte Zonen aufgeteilt, und der Meister kann hier meine Farben optimieren.

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Ist das Logo zu rot geworden, wird einfach in der markierten Fläche die Farbe reduziert. Alle bereits von mir gedruckten Versionen landen im Altpapier und erst jetzt, wenn alles passt, werden auf maximaler Geschwindigkeit Tausende meiner Vorderseiten gedruckt. Nach gut eineinhalb Stunden steht nun ein riesiger Stapel vor dem Drucker. Da wir allerdings noch ganz frisch sind, müssen wir uns zunächst noch eine Stunde ausruhen, bevor es mit der Rückseite weiter geht. Hierfür werden jetzt auch neue Platten in der Maschine eingespannt. Sobald nichts mehr verwischt und alles trocken ist, wird der große Stapel Vorderseiten wieder nach hinten gefahren und eingespannt. Jetzt startet Runde Zwei, genauso wie zuvor: Drucken – Prüfen – Verbessern – Drucken – fertig. Nach weiteren eineinhalb Stunden haben wir für diesen Tag erstmal Ruhe. Die Helfer fahren mich und meine Programm-Kollegen ins Lager, wo wir für einige Stunden schlafen dürfen.

Falzen links, falzen rechts, fertig!

Irgendwann in der Nacht werden wir dann aus den Träumen gerissen und geweckt – von Mitarbeitern aus der Buchbinderei. Anders als der Name vermuten lässt, werde ich hier zunächst meinen weißen Schnittrand los. An überdimensionalen Hobelschneidern werde ich schließlich von meinen Zwillingen getrennt. Ritsch, ratsch und schon liegen wir alle ganz alleine aufeinandergestapelt da. Im Anschluss geht es zu unserer letzten Station. Da wir in unserem vollen Format sehr unhandlich sind und es auch schwierig wäre, uns so groß in den Feierwerk-Locations zu platzieren, bekommen wir jetzt unsere Falten. Im Fachjargon werden wir zu einem 2-Zickzack-Falz mit Kreuzfalz zusammengelegt. Da es wahnsinnig wäre, das alles per Hand zu erledigen, legt uns einer der Buchbinder in eine Maschine ein, die das erledigt. Als Erstes bekommen wir die zwei horizontalen Kanten, mit der ihr uns wie eine Ziehharmonika aufklappen könnt. Anschließend kommt dann die vertikale Falz, damit wir besser in eure Taschen passen. Sind alle Exemplare gefalzt, werden wir in handliche Stapel aufgeteilt und in Kartons für unsere Reise in die Hansastraße vorbereitet.

Und was jetzt? Schaut doch einfach mal bei uns vorbei und guckt euch unsere jüngste Version an. Wir können es kaum erwarten, euch über die anstehenden Konzerte, Partys und die aktuelle Ausstellung im Feierwerk Farbenladen zu informieren. Einen Monat lang findet ihr mich und meine Geschwister an vielen Stellen in ganz München, bis im nächsten Monat dann die neue Runde kommt.

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  • Lisa Sernow

    Lisa hat in der Abteilung Ă–ffentlichkeitsarbeit im Feierwerk eine Ausbildung zur Kauffrau fĂĽr Marketingkommunikation abgeschlossen und bleibt dem Verein weiterhin als Bloggerin erhalten. Privat ist Lisa ein groĂźer Live-Musik-Enthusiast und hat ein Faible fĂĽr selbstgemachten Eistee.

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