Kulturszene

Rockhouse, Rockbücher, Rocksommer – Feierwerk und das “Rockbüro Süd”

Der „Verband für Popkultur in Bayern“ (VPBy) gehört mit mehr als 150 Mitgliedern zu den führenden Popkulturförderern in Deutschland. Im Herbst feierte der Verband im Feierwerk, einem seiner Gründungsmitglieder, das 30-jährige Bestehen. Bis Mai 2011 hieß der Verein “Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen e.V.” (ABMI) und war besser bekannt unter der Corporate Identity des “Rockbüro Süd”, dessen Entstehungsgeschichte wir hier gerne erzählen möchten.

“RockHouse e.V.” und Feierwerk gründen das “Rockbüro Süd”

Gemeinsam mit dem Münchner „RockHouse e.V.“, einem Verein zur Förderung junger Rockmusik in München bzw. Bayern rund um Georg Kostya und Hans Ernst, gründete Feierwerk 1988 das „Rockbüro Süd“ und investierte in beträchtlicher, sechsstelliger Höhe Ressourcen, finanzielle Mittel und Manpower in das überregionale Netzwerk. Lange Zeit liefen dessen Fäden im „Rockbüro Süd“ zusammen. Lokale Aktionen weiteten sich aus. Die inhaltlichen Impulse einer ganzen Reihe von Projekten wurden hier entwickelt und in die Welt gesetzt: drei „Rockbuch“-Ausgaben, das Konzept der „Rockintendanz“, der Neustart des „Rock Sommer“ auf der Seebühne im Olympiapark, Aktionen zur Verbesserung der Auftrittssituation, der Bayerische Popkulturpreis, ein Seminar zur Veranstalter*innen-Qualifizierung, die Pilotveranstaltung für regelmäßige Popkonferenzen und vieles mehr.

1985 hatte Feierwerk die Recherche für das „Musikbuch München ‘86“ durchgeführt, das erstmals einen kompakten Überblick zur örtlichen Musikszene bot. Seither spukte die Idee für ein „Rockbuch“ in den Köpfen herum. Ziel war es – natürlich weit über die Grenzen der Stadt hinaus – für die Szenen, die Bands, Labels, Clubs, Festivals, Medien, Initiativen etc. Öffentlichkeit herzustellen, ihre Zusammenarbeit zu erleichtern, über die Arbeitsweise der Musikbranche zu informieren und die Institutionen der Kulturförderung zu beleuchten. Zwei regional geprägte Ausgaben und ein bundesweit orientiertes Buch bildeten die Basis für die ab 1997 aufgebauten Online-Services von www.allmusic.de. Da wurde auch schon einmal im Urlaub gearbeitet. Große Teile der zweiten Ausgabe wurden auf einer Berghütte in Kärnten geschrieben.

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Aufgrund der Erfahrungen mit den bayerischen Gegebenheiten und angeregt durch die Ende der 80er Jahre in verschiedenen Städten gegründeten Rockbüros, lag es sowohl für den Münchner „RockHouse e.V.“ als auch für Feierwerk auf der Hand, verschiedene Aktionen zur Förderung der Szenen im Freistaat zu bündeln. Die Zusammenarbeit beider Vereine begann 1988. Das im Feierwerk angesiedelte „Rockbüro Süd“ nahm die Arbeit auf.

Erheblich mehr Zug bekam die Arbeit der 1989 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen e.V.“ (ABMI) im November 1991, als Bernd Schweinar als hauptamtlicher „Bayerischer Rockintendant“ seine Arbeit aufnahm. „Intendanz“ ist sozusagen die Headline einer im „Rockbüro Süd“ entwickelten Tätigkeitsbeschreibung. Analog zum Berufsbild in Theatern, Medien usw. betont der von der damaligen Feierwerk-Mitarbeiterin Ulla Kart ins Spiel gebrachte Begriff die Eigenverantwortung der Szenen und beschreibt ein Paket grundlegender Aufgaben: Finanzielles, Künstlerisches, Personelles, Öffentlichkeit und Politik, Formierung von Szenen, Vernetzung, Lobbyarbeit.

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Der Münchner “RockSommer” auf der Seebühne im Olympiapark

Der Münchner „RockSommer“ war 1988 nach dem Abbruch der „Alabamahalle“ 1988 heimatlos geworden. Das „Rockbüro Süd“ hatte die erfolgreiche Idee, die Veranstaltungsreihe auf der Seebühne im Olympiapark neu zu starten. Das passierte vom 28. Juli bis 01. August 1992 mit den Bands THE WORX + ECCO DI LORENZO & HIS SOULFOOD + HIFI MAMA + RUBBERMAIDS + LOVE & LIES + THE FOR PRESIDENTS + LIMITERS + BIG FAMILY + THE RUN + MODO. Bereits 1994 sorgte die „Arbeitsgemeinschaft Rocksommer“ für eine erhebliche Ausweitung des Programms.

Aktiv wurde das „Rockbüro Süd“ auch bei der Anregung und Koordination überregionaler Aktionstage zum Thema Auftrittssituation. Der „Großraum München rockt“ war der Titel einer Promoaktion am 21. Juli 1991 mit einem gemeinsamen Konzert von 28 Jugendzentren und Initiativen. Mit Sponsorenhilfe folgten darauf landesweite Schülerbandfestivals und die vom „Rockbüro Süd“ organisierte „Rock ‘n’ Future“-Reihe mit 151 Festivals in 140 deutschen Städten. „Seitenprodukt“ ist das „Know-how-Seminar“. Die sich ständig wandelnde und erweiterte Themenpalette der seit 1992 laufenden Veranstalter*innen-Qualifizierung umfasst praxisnah Finanzplanung & Kostenkalkulation, Steuern & Abgaben, Nachhaltigkeitslösung & Umweltkonzept, Trends im Musikbusiness, Promotion & Marketing, GEMA & KSK, Booking & Programmplanung, Sicherheitskonzepte, RiscManagement & Versicherungen.

Eine weitere Funktion des „Rockbüro Süd“ war das Zusammentragen und Austauschen von Informationen, Daten, Ideen, Konzepten, Know-How, Kontakten und Fachwissen. Im Auftrag des damaligen Kulturreferenten Siegfried Hummel fand 1993 in der „Pasinger Fabrik“ das „Symposium Rockförderung und Stadtkultur“ statt. Referenten waren u.a. Dieter Gorny, Prof. Manfred Prenzel, Prof. Peter Wicke und Initiativ-Vertreter*innen aus verschiedenen Bundesländern. Mittlerweile veranstaltet der Verband für Popkultur in Bayern regelmäßig die „dialog.Pop“, eine Fachkonferenz für Popmusikfördernde und -fördergebende.

Seit 2003 ist der VPBy und damit auch das “Rockbüro Süd” in der Bayerischen Musikakademie Schloss Alteglofsheim angesiedelt. Mit einem Jahresetat von rund 480.000 € (2018) bündelt der Verband die bayerischen Szeneförderer (Veranstalter*innen, Clubs, Open-Airs, Musikinitiativen, Kommunen usw.) unter einem Dach, nimmt deren Interessen wahr und leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Popförderung in Deutschland.

Wer Lust hat und noch mehr wissen möchte, kann sich online die Doku zu 30 Jahre VPBy anschauen.

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    Bob hat im September 1985 bei Feierwerk als Büromensch ("Sachbearbeiter") angefangen. Er hat Eintrittskarten verkauft, Veranstaltungstechnik auf- und abgebaut und Biertragerl gestapelt. Anfang der 2000er Jahre ist er in der Pressestelle gelandet.

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