Familie

Die Prix Jeunesse Kinderjury – hier dürfen die Kinder entscheiden!

Für den “Prix Jeunesse International”, das älteste und weltweit größte Fernsehfestival für hochwertige Kinder- und Jugendprogramme aus der ganzen Welt, organisierten Radio Feierwerk und die Feierwerk Südpolstation zum zehnten Mal in Folge die Kinderjury. “Die Filme behandeln die unterschiedlichsten kinderrelevanten Themen und bieten Einblick in die jeweilige Kinderkultur. Sie regen an, über den eigenen Horizont hinauszuschauen.“, so Patricia Bodensohn, Medienpädagogin in der Feierwerk Südpolstation und Projektleiterin der “Prix Jeunesse” Kinderjury. 

Die Prix Jeunesse Kinderjury wird seit 1965 alle zwei Jahre von der beim Bayerischen Rundfunk angesiedelten “Stiftung Prix Jeunesse” ausgerichtet. Damit die Kinder Filme sichten und bewerten können, müssen die in englischer Sprache bzw. mit englischen Untertiteln eingereichten Produktionen zunächst übersetzt und dann per “Voice-Over”-Technik mit Tonspuren in deutscher Sprache versehen werden. Die Kinderjury ist ein wichtiger Bestandteil des Festivals, weil die Kinder als eigentliche Zielgruppe der Programme direkt mitbestimmen können, welche Produktionen einen Preis verdient haben. Patricia hat uns ein paar Hintergründe zum Prix und zur Kinderjury verraten:

Um welche Inhalte ging es in diesem Jahr bei den vielen Filmen?

Der Prix Jeunesse 2018 stand unter dem Motto „Strong stories for strong children“, auf Deutsch „starke Geschichten für starke Kinder.“ Starke Geschichten bekamen dieses Jahr auch alle Teilnehmer*innen der Kinder- und Schülerjury zu sehen. Die Bandbreite an Themen war wie immer groß! Es kamen Themen zur Sprache, die sonst eher von Kindern ferngehalten werden, wie Transsexualität, Flucht, körperliche Behinderung, psychische Krankheit, Ausgrenzung und auch Tod.

Welche Themen haben sich die Kinder besonders interessiert und warum?

Unrealistische und surreale Inhalte kamen nicht so gut an. Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und Kulturaustausch waren allgemein besonders beliebt. Es zeigte sich wieder, dass kein Thema zu hart oder schwierig für die Kinder war. Bei Checker Tobis Sendung über den Tod hieß es verständnisvoll „traurig, aber trotzdem total schön“.

Kreative Lösungsvorschläge gab es auch immer wieder. So schlugen einige Jurymitglieder vor, die vietnamesischen Schulkinder aus der Sendung “Way to School”, die einen 20 km langen und fünfstündigen Schulweg haben, einfach „näher zur Schule ziehen zu lassen“.

Als äußerst lehrreich erwies sich der Film “Inside my head”, in dem ein Junge seine eigene Krankheitsgeschichte schildert und die jungen Zuschauer*innen über psychische Störungen im Allgemeinen aufklärt. Stimmen dazu waren beispielsweise: „Es war toll, dass sie gezeigt haben wie es sich anfühlt psychisch krank zu sein.“, oder „Man konnte sich sehr gut in die Lage von dem Jungen versetzen.“ Sie nahmen sich vor, sich ab jetzt immer einer Vertrauensperson mitzuteilen, wenn sie Probleme haben und ihre Mitmenschen öfter zu fragen, wie es ihnen geht, da man es einer Person schließlich nicht ansieht.

Oder bei dem transsexuellen Jungen, der in der neuen Schule gemobbt wird, fasste die junge Jury die Message des Films wie folgt zusammen: „Jeder darf so sein, wie er ist!“

Sind sich die Kinder immer einig oder wird viel diskutiert?

Bei den Diskussionsrunden an den Kinderjury-Wochenenden ging es äußerst hitzig zu. Besonders als der Siegerfilm im Bereich Fiction ermittelt werden sollte, flogen verbal die Fetzen. Es waren am Schluss noch zwei Filme im Rennen. Die deutsche Produktion „Dschermeni“ und der britische Beitrag „Jamie Johnson“ . Während Dschermeni Freundschaften zwischen Geflüchteten und Deutschen thematisiert, bei denen Herkunft und Hautfarbe keine Rolle spielen, geht es in Jamie Johnson um ein Mädchen, das darum kämpft, in einer gemischten Fußballmannschaft von Jungs und Trainer ernst genommen zu werden.

„Dschermini muss gewinnen, es geht schließlich um Leben und Tod und in Jamie nur um Fußball“, argumentierte ein zehnjähriges Jury Mitglied. Die Mehrheit stimmte dann doch für den Fußball-Film, aber die Minderheit gab sich erst nach einer Stunde Diskussion geschlagen. Die überstimmten Dschermeni Verfechter dürfen nun aber ein Interview mit den Dschermeni Produzenten für die Südpolshow machen.

Seit wie vielen Jahren gibt es jetzt die Kinderjury?

Den Prix Jeunesse selber gibt es ja schon seit 1964. Radio Feierwerk und die Feierwerk Südpolstation beteiligen sich mit der Kinderjury seit 18 Jahren bei dem Kinder- und Jugendfernseh-Festival.

Was ist das Besondere beim Prix Jeunesse?

Während einige Erwachsene oftmals versuchen, gewisse Themen von Kindern fernzuhalten, bietet der Prix Jeunesse auch eine Menge an Filmen, die genau mit diesen Themen offen und ehrlich umgehen. Und genau diese Ehrlichkeit kommt bei den Schülern gut an!

Kannst Du bei den Filmen und auch beim Interesse der Kinder eine Entwicklung / Veränderung erkennen?

Die eingereichten Filme sind im Laufe der Jahre immer professioneller geworden. Themen und Vielfalt sind immens gewachsen. Beim Interesse der Kinder stelle ich keine Veränderung fest, sie sind offen und haben ein Gespür dafür, ob sie ernst genommen werden.

Was ist das besondere an der Kinderjury von Radio Feierwerk?

550 Kinder aus München bekommen eine Stimme auf einem von Erwachsenen dominierten Festival. Und die Kinder werden auf allen Ebenen in das Projekt eingebunden – Auch bei der Vorbereitung. Die Festival Sprache ist ja englisch, so wurden dieses Jahr wieder 33 Filme (insgesamt 12 Stunden Film) in den Radio Studios vom Feierwerk mit dem Voice Over Verfahren übersetzt. 2018 haben circa 150 freiwillige Sprecher*innen zwischen 4-92 Jahren mitgeholfen. Die jüngste Sprecherin war tatsächlich 4 Jahre und die älteste Sprecherin stolze 92 – eine ehemalige Schauspielerin.

Was magst du an dem Projekt?

Trotz langjähriger Erfahrung ist es jedes Mal eine neue Herausforderung! Der Arbeitsaufwand ist immens, aber die Reaktionen der Kinder entlohnen. Außerdem lassen sich die Inhalte auch sehr gut in die laufende Radio-Arbeit integrieren. So waren jede Menge Jury-Kinder und Radio Reporter von der Südpolshow auf dem BR Festival und haben dort Interviews mit den Filmemachern gemacht. Zu hören sind sie in der Südpolshow auf Radio Feierwerk 92,4 und zu sehen auf unserem YouTube Channel tv.suedpolshow.de!

Vielen Dank für das Interview, Patricia!

Julia Irländer

Julia betreut im Feierwerk die Pressearbeit und leitet federführend den Feierwerk Blog. Privat ist sie Mama von zwei kleinen Schlafräubern und schreibt auf schlafraubtiere.de über ihren kunterbunten Familienalltag.

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