Musik

Konzerte in Zeiten von Corona – ein Abend mit dem Katzenclub und Rue Oberkampf

Lange blieb das Feierwerk leer und viele Besucher*innen haben irgendwann statt den abgesagten Konzerten lieber damit  angefangen, die Tage bis zum Wiedersehen zu zählen. Am Samstag dann aber die freudige Nachricht: Das Wetter spielt mit und der Katzenclub kann am Nachholtermin (18.07. statt 11.07.2020) in der Kranhalle stattfinden! Yeah! Also schmiss man sich in seine besten Ausgehklamotten und freute sich, wieder unter Menschen feiern zu können. Früh da sein lohnte sich, denn nur 36 Besucher*innen bekamen die begehrten Tickets für das Konzert vom Münchner Trio Rue Oberkampf!

Endlich wieder Live-Musik im Feierwerk

Vorfreude und Unsicherheit mischten sich. Wie wird das erste Konzert seit – wir wissen schon gar nicht mehr wann – aussehen? Kann überhaupt Stimmung aufkommen, wenn die Menge an gleichzeitigen Zuschauer*innen auf ein Minimum begrenzt ist? Aber erstmal zu der Musikauswahl von DJ Psychobat am Platz tanzen, sich drinnen ein Getränk holen und sich an der Tatsache erfreuen, dass man im Feierwerk sein darf. Auch wenn es hieß, auf dem gesamten Gelände (außer am Platz) eine Maske tragen zu müssen. Wir leben schließlich nach wie vor in Zeiten einer Pandemie.

Für alle, die die Katzenclub Partyreihe nicht kennen: Es handelt sich um ein Konzept für die schwarzbunte Szene in München. Fans von Electro, Industrial, Gothic, Wave, EBM, Mittelalter, Postpunk und anderen Subgenres feiern hier Musik abseits des Mainstreams. Dementsprechend trifft man hier auch überwiegend auf dunkle und aufwändige Outfits. Aber auch, wenn man sich eher als “Normalo” sieht und einfach nur die Genres mag, ist man hier herzlich willkommen. Das schöne an Musik ist ja, dass sie einfach alle verbindet.

Konzert auf Abstand – aber immerhin!

Drei Stunden nach dem Einlass ging es für 18 Leute los. Punkt 20 Uhr begann das Konzert von Rue Oberkampf in der Feierwerk Kranhalle. Stühle hat man hier garantiert selten gesehen, aber diese waren für das neue Hygiene- und Sicherheitskonzept nun mal notwendig. Jeweils 2 Stühle wurden immer links und rechts frei gehalten, sodass immer 4 Leute mit Abstand in einer Reihe sitzen konnten. Natürlich schade, dass man nicht mit seinen Liebsten zusammen sitzen konnte, aber man war ja dennoch nah genug beieinander.

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Ohne viel Gerede ging es dann auch los: Rue Oberkampf betraten die Bühne. Julia, Damien und Michael hüllten sich erstmal in Schweigen und ließen nur ihre elektronischen und basslastigen Klänge für sich sprechen. Nicht nur die Lichtshow, auch Julias lange goldene Jacke zog alle Blicke auf sich. Nachdem die ersten französischen Vocals erklangen, ist ein bisschen Normalität eingekehrt. Die Augenpaare aller Konzertgänger*innen waren nach vorne auf die Band gerichtet. Spätestens nach dem dritten Song hielt die hinteren Reihen nichts mehr und sie standen auf, um im Stehen die Band zu feiern. Alle anderen begnügten sich damit, das Beste aus ihrer sitzenden Position heraus zu holen. Auch wenn die Sängerin Julia sagte, dass man gerne aufstehen darf, waren doch alle eher schüchtern und zurückhaltend. Es schien, als  müsste man sich nach all der Konzert-Abstinenz erstmal wieder im “New Normal” zurechtfinden.

Nichtsdestotrotz hatte die Menge sichtlich Spaß. Und auch der Band merkte man an, wie ein unsichtbarer Knoten platzte. Denn nichts kann das Gefühl, wieder auf der Bühne zu stehen und auch einem Konzert beizuwohnen, ersetzen! Rue Oberkampf gaben in 45 Minuten einfach alles und brachten nicht nur Songs von ihrer Debüt EP “Waveclash”, sondern auch Songs vom neuen Album “Christophe-Philippe”, auf dem Julia auch mal auf Deutsch singt. Die drei Mitglieder*innen bezeichnen ihre Musik selbst als “Disco in Twin Peaks” und es gibt auch definitiv keine passendere Beschreibung für eine so interessante wie auch wandelbare Band. Die Fans sogen jeden Augenblick des Konzerts in sich auf – es wurde jeder Moment in der Kranhalle ausgekostet. Aber nach 45 Minuten inklusive Zugabe war es dann auch schon vorbei. Bis zu dem Zeitpunkt waren dann auch wirklich alle so angefixt, dass man die Halle tanzend verließ und zum Merchstand huschte, um sich ein Stück Rue Oberkampf in Vinyl- oder CD-Form mit nach Hause zu nehmen. Die nächsten 18 Besucher*innen durften den Spaß dann um 21:00 Uhr erleben. Aber der Erfahrungsbericht deckte sich mit den Vorgänger*innen.

Wie sind sie also nun – die Konzerte in Zeiten von Corona?

Natürlich sind sie anders. Wer vorher schon kein Fan von Konzerten im Sitzen war, der/die wird es auch jetzt nicht werden. Auch ist es ungewohnt, dass man nicht zusammen sitzen kann oder Maske tragen muss, sobald man seinen Platz verlässt. Aber ganz ehrlich: Wer leidenschaftliche(r) Konzertgänger*in ist, der nimmt das alles gerne in Kauf für diesen zauberhaften Moment, der zwischen den Menschen auf und vor der Bühne stattfindet. Das Gefühl von Künstler*innen, die ihrer Leidenschaft nachgehen und Musik produzieren, die man liebt – dem können selbst die neuen Hygiene- und Sicherheitskonzepte nichts anhaben. Daher unser Tipp: Geht unbedingt wieder auf solche “Abstandskonzerte”! Unterstützt die Venues und eure Lieblingsbands und Künstler*innen. Denn wenn es eine Kultur nach Corona gibt, dann nur gemeinsam.

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