Selber machen

Treten, kneten, sieben, stampfen und nochmal alles von vorne! Unser Lehmbackofen

„Der Lehmofen ist mit Hand und Lehm gemacht. Am 06.09.2018 haben wir angefangen und am 15.09.2018 war er fertig, die Krea(k)tiv-Werkstatt hat ein neues Projekt gemeistert. Wir alle freuen uns. Wir sind stolz auf Susanne, Franzi, Dani und unseren kleinen Helfer.“ So beginnt der Einleitungstext unseres Lehmofentagebuchs, entworfen von Mara.

Anfang des Jahres kamen wir in der Feierwerk SĂŒdpolstation auf die Idee, wenn wir schon das Thema Lehm/Ton in der Werkstatt anbieten, könnten wir doch auch versuchen, einen richtigen Backofen aus Lehm in unseren Garten zu bauen. Es wurde erst auch unter uns Kollegen etwas gezweifelt, ob sowas machbar ist und vor allem die Frage gestellt: Wie lange hĂ€lt das? Das hat mich noch mehr angespornt, die Idee wirklich in die Tat umzusetzen und so machte ich mich auf die Suche nach ExpertenInnen. Dabei stieß ich auf Susanne, die schon viele Lehmöfen in ihrem Leben an Schulen gebaut hat und mir ĂŒber Ecken empfohlen wurde. Wir trafen uns und alles passte zwischen uns. Also machten wir einen Termin fĂŒr den Start aus und los ging es.

Aber halt mal. Woher bekommen wir denn die ganzen Materialien?

Steine fĂŒr einen Sockel, eine riesen Menge Lehm, Sand, Stroh, ein Ofenrohr und ein Dach, damit der Ofen möglichst lange hĂ€lt? Wir hatten GlĂŒck. Unser Projekt fiel genau in die Zeit, in der die Glasfaserleitungen in unserer Straße gelegt wurden. Und da lagen jede Menge kaputt gegangene Steine auf den Gehwegen. Also nichts wie hin und die Arbeiter fragen, ob wir die nicht benutzen könnten. Und tatsĂ€chlich. „Sie wĂŒrden ja eh nur weggeschmissen“ war die Antwort.  Den Lehm bekamen wir von der Schule, an der Susanne ihren letzten Lehmofen gebaut hatte,  geschenkt. Und Andreas baute uns ein kleines HĂ€uschen. So waren unsere Grundmaterialien schon einmal organisiert. Einen großen Dank an dieser Stelle an alle! Wir konnten beginnen.

Am 6.9. fingen wir an, den Sockel zu bauen. Viele Kinder waren direkt dabei, aber es war eine ganz schön harte Arbeit: Wir stapelten schwere Steinplatten auf eine Palette, um eine stabile Grundlage fĂŒr den Ofen zu haben. Welcher Stein passt auf welchen und wie legen wir sie genau hin? Parallel mussten wir den Lehm von allen kleinen Steinchen befreien, also siebten wir den ganzen Lehm durch große Kompostsiebe. Das hat ganz schön lange gedauert. Vor allem, weil wir wollten, dass möglichst alle Steinchen rausgesiebt sind, weil man sich beim Kneten und Stampfen mit den HĂ€nden und FĂŒĂŸen ja auf keinen Fall weh tun sollte.

Jetzt heißt es: Treten, kneten, sieben und stampfen

Anschließend vermischten wir ihn mit Sand. Das Stampfen selber hat allen sehr viel Spaß gemacht, obwohl sich doch ganz schön viele kleine Steinchen sehr gut versteckten. Es war jeden Tag eine ganz schöne Schweinerei, die allen immer wieder Freude bereitet hat. Zum GlĂŒck geht Lehm wieder ĂŒberall gut raus.

Nach einer Woche treten, kneten, wieder sieben und nochmal stampfen, wieder alles abwaschen, noch ein bisschen mehr Sand und ein wenig Wasser und wieder stampfen, wussten wir, wie die perfekte Konsistenz sein musste. Denn der Lehm darf weder zu trocken noch zu nass sein. Jetzt endlich, nach einer Woche, kam die erste glatte Schicht auf unseren Sockel – der Boden des Ofens. Jetzt ging es ans Kugeln formen. Erst der Rand, und dann kamen immer mehr dazu. Um die richtige Form zu bekommen bauten wir in der Mitte eine Kuppel aus Sand. Schicht um Schicht entstand unsere Kuppel aus Lehmkugeln. Jetzt schnippelten wir noch jede Menge Stroh. Das musste zum Schluss auch noch in den Lehm. Und wieder kneten, treten und stampfen. Diese „Pampe“ strichen wir als Ă€ußere Schicht auf den Kugelturm, damit die Hitze besser im Ofen bleibt.

Fertig war er!

Oh, jetzt hatten wir doch glatt was vergessen. Das Ofenrohr. Es stand noch in der Werkstatt.  Oh nein – alle Kinder waren schon weg. Also mussten wir Erwachsenen nochmal ein Loch in unsere Kuppel schaufeln und nach einigem Ruckeln war es drin. Puh, in letzter Minute. Jetzt konnte er trocknen.

Nach ca. 3 Wochen krĂ€ftigem Durchtrocknen hatte er ein paar kleine Risse bekommen. Aber das ist ganz normal, wie wir lernten. Die flickten wir noch mit etwas Schlick und fertig war er! Raus mit dem Sand und rein mit dem Brot. Nach einem Tag Sand schaufeln und Ofenauskehren weihten wir ihn am Wochenende drauf mit allen Nachbarsfamilien und Helferkindern am 20.10.2018 ein. Es gab ganz wunderbare, selbstgebackene salzig und sĂŒĂŸ belegte und gefĂŒllte Brötchen.  

Daniela Angersbach

Die Dani findet ihr Dienstag bis Samstag in der Krea(k)tiv-Werkstatt und im Kindertreff der SĂŒdpolstation. Mit Herz und Hand werkeln hier die Kids tatkrĂ€ftig an Projekten rund um Garten, Kunst, Upcycling, Holz und alles was sie finden können.

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