Familie

Wenn Kinder zu Makern werden – Anna Blumenkranz zu Besuch im Trafixx

Anna Blumenkranz arbeitet als Medienkünstlerin, -pädagogin und Autorin im Bereich Wearable Electronics und e-Textiles. Seit 2011 unterrichtet sie an der Ludwig-Maximilians-Universität und ist in der Münchner Maker Szene aktiv. Im Dezember ist sie im Feierwerk Trafixx zu Besuch und macht Kinder zu kleinen Makern.

Maker Szene kurz erklärt

Das Maker Movement kommt aus den USA und hat sich aus der DIY-Bewegung heraus entwickelt. Es gibt Maker Spaces: Das sind offene Werkstätten, die viele Menschen nutzen können. In diesen Werkstätten stehen Geräte, die man sich alleine nicht leisten kann – zum Beispiel 3D-Drucker oder Lasercutter. Es geht aber nicht nur um die Maschinen, die Maker gemeinsam nutzen, sondern auch um das Wissen, das sie in ihrer Community teilen. Sie präsentieren sich eigene Projekte gegenseitig on- sowie offline und tauschen Feedback aus. Zur Maker Szene gehört also eine gewisse Transparenz: Wissen wird offengelegt und geteilt, viel wird als Open Source entwickelt.

Die Kinder nähen heute mit dir einen Kuschelroboter. Wie funktioniert das?

Ganz konkret funktioniert das so:

  1. Wir nehmen ein Stück Filz und schneiden uns die gewünschte Form aus – zum Beispiel einen Pandabären, einen Roboter oder eine Form, die sich die Kinder ausdenken.
  2. Wir haben zwei Hälften und nähen diese mit normalem Garn und Faden zusammen.
  3. Und dann kommt das Besondere – wir nähen Elektronik mit ein: Eine Batterie, ein LED-Lämpchen und einen Druckknopf als Verbindung. Um die Teile zu vernähen, benutzen wir leitfähigen Faden. Wenn das richtig genäht ist, leuchten am Ende die Augen oder die Antenne des kleinen Kuschelroboters.
  4. Zum Schluss füllen wir die Figur mit Watte und verzieren das obere Filzteil so, wie es uns gefällt.

Was ist das Ziel deiner Workshops fĂĽr Kids?

Erstens ist mir wichtig, dass die Kinder Spaß daran haben – an der Technik und daran, die Physik praxisnah und außerhalb der Schule zu erleben. Zweitens geht’s für mich um die Transparenz: Kinder, Jugendliche und Erwachsene nutzen die ganzen elektronischen Geräte und haben dabei jedoch keine Ahnung, wie die funktionieren. Das mal auseinander zu bauen und zu zeigen, wie lange es eigentlich dauert, so einen ganz einfachen Schaltkreis zu bauen, finde ich wichtig.

Und die Mädels liegen mir am Herzen: Bei meinen Workshops sind immer ganz viele Mädchen dabei und ich merke, dass es ein guter Einstieg ist, um ihnen ihre Angst vor der Technik und Elektronik zu nehmen. Aber ich habe auch oft Jungs dabei, die zum ersten Mal nähen. Ich möchte alle Kinder und Jugendlichen ermutigen, mit Technik zu experimentieren und diese nicht wie ein Heiligtum zu behandeln.

Was gefällt dir an der Arbeit mit Kindern besonders gut?

Ich mach ja auch oft Workshops für Erwachsene und ehrlich gesagt merke ich da keinen großen Unterschied. Es hängt viel mehr vom Charakter oder der Persönlichkeit des Einzelnen ab als vom Alter. Generell lassen sich Kinder viel schneller begeistern, sind aber auch schneller frustriert als Erwachsene. Und man bekommt ein direktes Feedback von ihnen, ob der Workshop gut ankommt oder nicht.

Was machst du, wenn du nicht gerade Workshops fĂĽr Kids gibst?

Ich habe vor zwei Jahren ein Buch veröffentlicht. Das ist eine Ansammlung von Anleitungen für verschiedene e-Textiles-Projekte, mit detaillierten Schritten, Bildern und Künstlerinterviews aus der Maker Szene. Das Buch bietet einen einfachen Einstieg in das Thema und soll inspirieren, selbst Projekte zu starten.

Dieses Jahr habe ich an einem Projekt gearbeitet, bei dem wir elektronische Textilien als Set für Menschen mit körperlichen Behinderungen entwickelt haben. Für Menschen, die zum Beispiel keine herkömmliche Tastatur oder Maus nutzen können. Das Set kann man sich selbst zusammenbauen und es ist in verschiedenen flexiblen Größen erhältlich.

Die Behinderungen und Bedürfnisse der Menschen sind sehr unterschiedlich. Deswegen haben wir ein Open Source Kit mit leitenden Textilien entwickelt – und sind noch dabei es zu entwickeln. Online kann man sich die ganzen Anleitungen anschauen und selbst ausdrucken, zum Beispiel mit einem 3D-Drucker. Es gibt zwar schon viel in dem Bereich, aber das ist sehr teuer. Außerdem arbeiten wir mit nachhaltigen Materialien, so gut es eben geht, und versuchen so wenig Müll zu produzieren wie möglich.

Wie bist du Teil der MĂĽnchner Maker Szene geworden?

Ich habe meinen Master in London gemacht und bin im Jahr 2013 zurück nach München gekommen. Das Maker Movement habe ich in London kennengelernt und habe dann nach ähnlichen Sachen in München gesucht. Zuerst habe ich das FabLab entdeckt, das damals noch überschaubar war und im Keller von Mario Klingemann. Mittlerweile haben sie über 300 Mitglieder.

Und das Jahr meiner RĂĽckkehr war das Jahr, in dem die erste Make Munich stattfand. Da war ich von Anfang an dabei, habe dort auch einen Workshop gegeben und ganz viele tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich bis jetzt in engem Kontakt bin.

Was begeistert dich an deinem Job am meisten?

Alles! Es gibt wirklich ganz viele verschiedene Dinge: Zum Beispiel, dass ich interdisziplinär arbeite. Die Mischung aus dem Handwerklichen, das traditionell vielleicht eher weiblich belegt ist, und der Elektronik, die traditionell vielleicht eher männlich konnotiert ist. Mir ist wichtig für Menschen und mit Menschen zu arbeiten. Dann gefällt mir die internationale Community. E-textiles ist eigentlich eine überschaubare Szene, also noch, aber es ist sehr international. Das genieße ich.

Kathi Winter

Kathi ist im Feierwerk Trafixx verantwortlich für den Bereich Medienpädagogik und leitet die Kinder- und Jugendredaktion vor Ort. Schreiben gehört zu ihren Leidenschaften – egal ob für Blog, Radio oder Zeitung.

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