Kunst

Kunst ist, wenn man’s macht – so kam’s zur Ausstellung BLOOM. im Farbenladen

Verena Lederer und Jean Poix hatten die Idee, gemeinsam eine Ausstellung zu machen. BLOOM. – Dinge, die geboren werden war im Februar das farbenfrohe Ergebnis im Feierwerk Farbenladen und Verena hat uns davon erzählt.

Kunst als  Selbst-Therapie ist ein Ansatz, der wahrscheinlich so alt ist, wie die ersten Höhlenmalereien von erfolglosen Jagdversuchen auf Säbelzahntiger. Was man aufschreibt oder aufmalt, hat man zumindest auf Papier, Leinwand oder eben einer Höhlenwand bezwungen. Und doch muss es erst einmal soweit kommen. Bei mir war es immer so: was raus musste, wurde in Poesie, Songtexte, Geschichte oder Briefe verpackt. Ob schnell in die Notizen-App getippt oder in eines meiner tausend Notizbücher gekritzelt – geschriebenes Wort ist das, was immer zählte und immer zählt.

Jean Poix’ Werke weisen auf die Dinge hin, die in unserer Gesellschaft falsch laufen 

Für Jean sind es seine Bilder, die mittlerweile in jeder Ecke seiner Wohnung stehen. Großflächige, grobfaserige Leinwände, die er bemalt und dann selbst aufspannt. So ein Bild hat dann schon einmal 6 qm. Steht man vor seinen farbintensiven Werken, kann man sich kaum daran satt sehen. Wirklich, an allen vier Ausstellungstagen unserer gemeinsamen Ausstellung BLOOM. – Dinge, die geboren werden, bin ich nicht müde geworden, sein größtes Bild „Gaspard de la Nuit“, anzustarren. Und auch die drei Blüten-Bilder, eines davon als Titelbild unserer Ausstellung BLOOM., haben unsere Besucher*innen total in den Bann gezogen. Jeans Technik dabei: Bild über Bild, die verschiedenen Lagen ergeben etwas Geschaffenes, Konstruiertes und sind doch so voller Leichtigkeit und Zufälligkeit. Seine, wie er sie nennt „Naturstudien“, sind dadurch ihren echten Vorbildern so ähnlich, dass es einem nahe gehen muss.

Sein „Immigrant Song“ oder  „Nein heißt Nein“ schreien einem hingegen so Einiges entgegen, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, auch mit Text-Fetzen. Das ist unser verbindendes Glied. Keines seiner Bilder kommt ohne versteckte oder etwas offensichtlichere, niedergeschriebene Botschaften aus. Und die Besucher*innen entdecken sie, man kommt ins Gespräch, ins Diskutieren. Sie haben Spaß, die Bilder immer und immer wieder zu betrachten.

Die Farbe Gold kommt bei BLOOM. großflächig zum Einsatz

Seit einem Jahr war der Farbenladen bereits gemietet, Jean und ich hatten die Idee, gemeinsam unsere Kunst auszustellen. Ein Doppel-Debüt. Meine Acryl-Gemälde und Zeichnungen waren bisher nicht dafür bestimmt gewesen, an einer Wand zu hängen, schon gar nicht vor Besucher*innen. Doch wie bei Jean wurden sie mit den Jahren immer größer. Außerdem lieben wir beide einen experimentellen und impulsiven Umgang mit Farben. Meine Reihe „Sirenen“ arbeitet viel mit der Farbe Gold, die man sonst nur selten so großflächig aufgetragen sieht. Frauen stelle ich dort als madonnenhafte Heilige und doch mystische Sirenen-Gestalten dar. Meine „Mandala“-Reihe kommt, wie zu erwarten, mit eingearbeiteten Textbotschaften daher.

Die 100 qm im Farbenladen sind eine enorme Fläche, die es zu füllen galt. Und wir wollten unsere erste Ausstellung dazu nutzen, einen Rundumschlag davon zu zeigen, was entstehen kann, wenn Emotion auf Kalkulation, Zufälliges auf Arrangiertes trifft. Deshalb haben wir beschlossen, die Mitte der Galerie sehr großflächig  zu behängen, die Seitenwände aber mit kleinteiligen Werken zu bestücken. Die Abgründe in den Bildern und Texten, die häufig nur auf den zweiten Blick zu erkennen sind, wurden durch ausgewählte Ambient-Musik untermalt.

Kunst ist, wenn man’s macht

BLOOM. – Dinge, die geboren werden hat sich wirklich angefĂĽhlt wie eine Geburt. Und bis kurz vor Schluss blieb es spannend. UrsprĂĽnglich sollten meine Texte nur auf schlichtem Hintergrund gedruckt werden, bis sich Jean sehr spontan grafisch an ihnen austobte. Das Ergebnis gibt den Texten genau das, was sie brauchen, um optisch auf A2-Postern zu wirken. Poesie als Plakate an der Wand. Plakativ im wahrsten Sinne des Wortes. Wie ein Tagebuch, zerstĂĽckelt in 25 Einzelseiten. Ich beobachtete unsere Gäste gespannt: oft wurde gelacht, fĂĽr Instagram-fotografiert, versunken gelesen,  zustimmend genickt. Ein Freund meinte: „Manches haut mich dermaĂźen um in seiner Direktheit, Verena.“ Und dann haben wir erreicht, was zu erreichen war: wir haben aus Dingen Lebendiges gemacht, aus Worten Emotionen und aus Farbe Erinnerungen. Was ewig in unseren Köpfen, in unseren Kellern, unseren Wohnungen und Laptops versteckt war, haben wir hervorgeholt. Kunst ist, wenn man’s macht.

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    Verena Lederer ist ausgebildete Journalistin, Musikerin, Philosophie-Studentin. Sich auf etwas Festlegen war noch nie ihr Ding und wird es wohl auch so schnell nicht werden. Ob das jetzt unter die Diagnose Multi-Talent oder hyperaktiv fällt, bleibt ihr Geheimnis.

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