Kunst

Frutti Tutti РKunst im Farbenladen, die positiv auf den Magen schlägt

Unter dem Motto “Frutti Tutti” haben im September 2019 die sechs verschiedenen K√ľnstler BRNZN, BURNS124, MANGONE, MARTIN GERSTENBERGER, NILS JENDRI und ODOUR ODESSA in den Feierwerk Farbenladen geladen und damit die italienische Riviera direkt an den Rande des Westparks in M√ľnchen geholt.

Wo ist der Sommer hin? Wo ist er geblieben? Das habe ich mich Anfang September erst gefragt. An dem einen Tag lief die Suppe noch von meiner Stirn, am anderen hab ich meine Jeansjacke und den Pulli gar nicht ausziehen wollen. So ging es mir zumindest am ersten Donnerstag im September auf dem Weg zur Vernissage von “Frutti Tutti” im Feierwerk Farbenladen. Die Hitze schien kurzerhand ausradiert worden zu sein. Auf jeden Fall wirkte es hier in der realen Welt so. Denn mein Social Media Feed sah ganz anders aus. Dieser wurde nur noch √ľberh√§uft von wei√üen Sandstr√§nden und tropfenden Eist√ľten. Neid machte sich in mir breit. Mal wieder verfluchte ich mich daf√ľr, die Bildchen-App ge√∂ffnet zu haben, Leute und ihr √ľberperfektes Leben zu betrachten und fragte mich, wof√ľr wir uns das √ľberhaupt antun. Die meisten Leute, denen ich folge, kenne ich pers√∂nlich gar nicht. Dass man Instagram jedoch auch ganz anders nutzen kann, als nur zur Selbstdarstellung des eigenen ‚Äěgro√üartigen‚Äú Lebens, erfuhr ich durch die neue Ausstellung im Farbenladen.

Gesucht und gefunden auf Instagram

FRUTTI TUTTI √∂ffnete seine Pforten n√§mlich an besagtem Mist-Wetter-Tag. Auch wenn mich keine strahlende Sonne hier erwartet hatte, nahm es mir kurzzeitig den grauen Alltagstrott von den Schultern. Schon beim √Ėffnen der schweren Glast√ľre, die mit dem Pizza-Karton-Motiv des Feierwerk September-Programms beklebt war, das gleichzeitig auch das Titelbild dieser Ausstellung darstellt, kam mir der Duft leckerer Pizzen entgegen. Die K√ľnstler hatten sich noch f√ľr den bevorstehenden Andrang bei ihrer Vernissage mit der italienischen Leckerei gest√§rkt. Ich lie√ü sie erst einmal fertig schmausen und schaute mich in Ruhe um. Jeder der sechs K√ľnstler widmete sich in jeweils einer Ecke im weitl√§ufigen Farbenladen mit seiner eigenen Interpretation von Street Art. Was mir sofort ins Auge fiel, waren die akkurat aufgeh√§ngten Fotografien an Graffitis von BRNZN. Direkt daneben hingen dreidimensionale Portr√§ts von MANGONE, die an hippe Ureinwohner S√ľdamerikas oder leidenschaftlich gestikulierende Italiener erinnerten. MANGONE erkl√§rte mir, nachdem er mit seiner Pizza fertig war, dass er und die anderen f√ľnf sich bis zu der Ausstellung noch gar nicht pers√∂nlich gekannt hatten. Alle waren zwar √ľber Instagram miteinander verbunden und mochten die Werke voneinander – im wirklichen Leben waren sie sich zuvor jedoch noch nie begegnet. Er empfand es als eine spannende Reise, die Ausstellung genau mit diesen Voraussetzungen aufzubauen.

Frutti Tutti bringt den italienischen Sommer nach M√ľnchen

Also trafen sie sich die Wochen vor der Vernissage die ersten Male und besprachen einen ungef√§hren Rahmen f√ľr FRUTTI TUTTI. Am Ende wurde sich darauf geeinigt, dass die Werke das Gef√ľhl vom j√§hrlichen Urlaub an der Riviera transportieren sollten. Dabei halfen grelle Farben, expressive Linienf√ľhrungen und eine gewisse Unbek√ľmmertheit in der Pinsel- und Spraydosen-F√ľhrung der K√ľnstler. Besonders freudig und gel√∂st wirkten die Comic-Art-Werke von MARTIN GERSTENBERGER. Hier l√§cheln einem bekannte und weniger bekannte Kult-Figuren freudig entgegen. ODOUR ODESSA hingegen gab mir einen interessanten Blick aus dem Farbenladen hinaus. Mit der Installation eines √ľbergro√üen Kopfes, durch dessen linkes Auge ich nach drau√üen blicken dufte, konnte ich die an ihrer Bikini-Figur arbeitenden Sportler*innen auf dem Spinning im Geb√§ude gegen√ľber beobachten.

Feierwerk_Farbenladen_Ausstellung_Frutti_Tutti_Streetart (18)

Ich drehte mich schnell wieder um, damit mein schlechtes Gewissen nicht wuchs, und blickte auf das bunte Wirrwarr, das die Werke von NILS JENDRI in der ersten Sekunde aufzeigen. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich eine Struktur zwischen den bunten Klecksen, Strichen und Farbverl√§ufen. Mich erinnerten Nils’ Malereien an eine Windschutzscheibe, auf die nachts Massen von Wasser vom Himmel prasselten. Fast genauso, wie gerade drau√üen vor der T√ľr. Man erkennt nicht richtig, was hinter der Wasserfront steckt, aber die Lichter der entgegenkommenden Autos liefern einen verschwommenen Umriss von den H√§usern und Gesch√§ften, die sonst dort zu sehen sind.

Immer noch mit dem Pizza-Duft in der Nase fing auch mein Magen an, sich zu melden. Ich setzte mich mit dem Feierwerk-Programm auf die Fensterbank und dachte mir bei den strahlenden Kunstwerken an den Wänden und der warmen Stimmung dieser Ausstellung: Eigentlich brauche ich gar nicht mehr in den Urlaub an den Strand. Entschleunigung bekomme ich auch hier. Nur eine Pizza wäre jetzt noch fein.

  • Feierwerk unterst√ľtzen

    Als gemeinn√ľtziger Verein f√ľr junge Kunst, Musik und Kultur finanzieren wir uns haupts√§chlich √ľber Zusch√ľsse, Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen. Wenn du unseren Beitrag zur F√∂rderung der jungen Kultur in M√ľnchen wertvoll findest und die M√∂glichkeit hast, uns zu unterst√ľtzen, freuen wir uns gerade in Zeiten wie diesen √ľber deine Spende (√ľber Paypal / per √úberweisung) an unseren F√∂rderverein oder √ľber deine Mitgliedschaft in unserem F√∂rderverein.

  • Lisa Sernow

    Lisa hat in der Abteilung √Ėffentlichkeitsarbeit im Feierwerk eine Ausbildung zur Kauffrau f√ľr Marketingkommunikation abgeschlossen und bleibt dem Verein weiterhin als Bloggerin erhalten. Privat ist Lisa ein gro√üer Live-Musik-Enthusiast und hat ein Faible f√ľr selbstgemachten Eistee.

    EINEN KOMMENTAR HINTERLASSEN