Team Feierwerk

Offenheit, Freiwilligkeit, Partizipation ÔÇô die Offene Kinder- und Jugendarbeit

Inzwischen ist es rund neun Monate her, dass unsere Kinder- und Jugendfreizeitst├Ątten aufgrund der Corona-Pandemie von heute auf morgen schlie├čen mussten. Die jeweiligen Teams, bestehend aus Sozial-, Kultur- und Medienp├Ądagog*innen, produzierten bis zur lange herbei gesehnten Wiederer├Âffnung Mitte Juni mit viel Kraft und Engagement von zuhause aus ein alternatives Online-Programm. Sie ├╝berlegten sich die unterschiedlichsten Aktionen, um den Kontakt zu ihren Kindern und Jugendlichen auch w├Ąhrend des Lockdowns zu halten. Mittlerweile bieten all unsere Einrichtungen zwar wieder ein vielf├Ąltiges Feierwerk-Programm, allerdings unter v├Âllig neuen Umst├Ąnden: es k├Ânnen l├Ąngst nicht alle Angebote stattfinden, die AHA-Regeln bestimmen den Arbeitsalltag, es gibt begrenzte Teilnehmer*innen und Anmeldeprozesse. Anders, aber immerhin.

Das beklemmende Gef├╝hl, es k├Ânnte wieder zu einer erneuten Schlie├čung kommen, jetzt wo die Zahlen steigen und der Winter bevorsteht, schwingt stetig mit; gleichzeitig gibt es umfangreiche Hygiene- und Schutzkonzepte, die f├╝r unsere G├Ąste einen sicheren Besuch gew├Ąhrleisten. Die Hoffnung und das gro├če Bed├╝rfnis, ge├Âffnet bleiben zu k├Ânnen, ist allgegenw├Ąrtig. Ich habe mit Katrin Pischetsrieder, Leiterin der Feierwerk Funkstation, Andi Huber, Leiter der Feierwerk S├╝dpolstation und Jakob Steenbock, Leiter des Feierwerk TrafixxÔÇś, ├╝ber die Bedeutung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) gesprochen. Und dar├╝ber, weshalb es so wichtig ist, dass unsere H├Ąuser offen und f├╝r die Kinder und Jugendlichen zug├Ąnglich bleiben.

OKJA – im Vordergrund steht die Freiwilligkeit

ÔÇ×Das Wichtigste der OKJA liegt f├╝r mich in dem Wort ÔÇÜoffenÔÇś. Das ist gerade heute eine Besonderheit f├╝r Kinder und Jugendliche, dass sie nicht ein vorgefertigtes Setting vorfinden, das schon funktionalisiert ist, sondern R├Ąume, die es ihnen erm├Âglichen, Erfahrungen zu machen, und ihren eigenen Interessen nachzugehenÔÇť, sagt Katrin Pischetsrieder gleich zu Beginn unseres Gespr├Ąchs. ÔÇ×F├╝r uns als Feierwerk ist der kulturelle Aspekt ganz wichtig. Sich ├Ąsthetisch-gestaltend, sch├Âpferisch-kreativ mit etwas auseinander zu setzen, kann dazu beitragen, sich auch mit sich selbst und der Welt, die einen umgibt, zu besch├Ąftigen – und dem eigenen Platz darin.ÔÇť Dem pflichtet Andi Huber bei: ÔÇ×Wenn man junge Erwachsene fragt, was sie als Mensch gepr├Ągt hat, sprechen die meisten von ihrer Freizeit, ihrem Privatleben. Nat├╝rlich bekommen sie in der Schule das Wissen vermittelt, das sie f├╝r Ausbildung und Beruf brauchen; aber bei ganz vielen Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend Freizeiteinrichtungen wie unsere besucht haben, sind eben diese ein starker Faktor, der genannt wirdÔÇť, erz├Ąhlt er. ÔÇ×Ein Ort, an dem junge Menschen ganz zentrale Dinge erleben, erstmals eigene Ideen umsetzen und Verantwortung ├╝bernehmen k├Ânnen. Und Erlebnisse haben, die sie als Mensch bis ins Erwachsenenalter hinein pr├Ągen. Die Kinder, die bei uns sind, reflektieren das nat├╝rlich noch nicht so stark, weil sie einfach so im Hier und Jetzt leben ÔÇô was ja auch das Sch├Âne ist. Aber im R├╝ckblick erkennt man den Einfluss der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf die Pers├Ânlichkeitsentwicklung ganz stark.ÔÇť

Selbstgestalterisch aktiv werden in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Im Gegensatz zur Schule oder auch zu anderen Freizeitangeboten, wie bspw. einer Mitgliedschaft bei einem Verein, hat die Offene Kinder- und Jugendarbeit keinen Verpflichtungscharakter. Die Kinder und Jugendlichen kommen freiwillig und d├╝rfen auch jederzeit wieder gehen. ÔÇ×Das ist sicherlich eine Herausforderung, und zwar f├╝r beide SeitenÔÇť, sagt Katrin Pischetsrieder. ÔÇ×Manchmal ist es nicht leicht, als Kind oder Jugendliche*r dazu zu stehen, was man m├Âchte oder eben nicht. Und wir als P├Ądagog*innen, die Anregungen geben und begleiten wollen, sind dazu aufgefordert, das Setting so zu gestalten, dass es inspirierend ist. Wir m├╝ssen uns eine gro├če Offenheit und Flexibilit├Ąt bewahren und auf Impulse reagieren, die auch unvorhergesehen kommen – und uns darauf einzulassen.ÔÇť Dass es die Kinder und Jugendlichen heutzutage, wo mit Schule und au├čerschulischen Verpflichtungen schon ein Gro├čteil der verf├╝gbaren Zeit verplant ist, gar nicht mehr gewohnt sind, selbstgestalterisch aktiv zu werden, darin sind sich alle einig. ÔÇ×Viele haben ein strenges Elternhaus, zumindest bei uns im Viertel, und die sind gewohnt, dass ihnen gesagt wird, was sie zu tun habenÔÇť, erz├Ąhlt Jakob Steenbock, der die Kinder- und Jugendfreizeitst├Ątte Trafixx in Obersendling leitet. ÔÇ×Das ist auch unser p├Ądagogischer Auftrag, dass wir ihnen sagen: Ihr k├Ânnt ein St├╝ck weit ├╝ber Euer Leben selbst bestimmen. Hier bei uns findet ihr den Raum, wo ihr euch ausleben und ausprobieren k├Ânnt. Hier habt ihr die M├Âglichkeit, das Programm selbst zu gestalten.ÔÇť

Abenteuerspielplatz und offene, bunte R├Ąume

Katrin Pischetsrieder berichtet von einem neunj├Ąhrigen M├Ądchen, das beim Erleben dieser Freiheit erstmal kurz gestutzt hatte, was gleicherma├čen ersch├╝tternd, aber auch faszinierend war: ÔÇ×ÔÇśHier kann man machen, was man will?!ÔÇś hatte sie ungl├Ąubig gefragt. Und dann muss man dieses Z├Âgern auch aushalten k├Ânnen und nicht gleich sagen: Du k├Ânntest doch, magst Du nicht vielleicht… Die Kolleg*innen in den offenen Treffs spielen den Ball auch oft bewusst zur├╝ck, wenn die Kinder fragen, was heute gemacht wird. Dann fragen sie: Worauf habt ihr Lust?ÔÇť Das ist ein St├╝ck weit auch der Anspruch der P├Ądagog*innen vor Ort, die Selbstgestaltung der Freizeit mit den Kindern und Jugendlichen zu trainieren. ÔÇ×Die Eltern sind diese Freiheit im ├ťbrigen auch nicht mehr gewohntÔÇť, erz├Ąhlt Andi Huber. ÔÇ×Denen m├╝ssen wir oft erkl├Ąren, wie unsere Arbeit funktioniert, und dass wir eben keine Betreuungseinrichtung sind. Wir haben diese Aufsichtspflicht im juristischen Sinne nicht. Unsere Einrichtung ist eher vergleichbar mit einem Abenteuerspielplatz, wo man hingeht und Angebote wahrnimmt, solange man m├Âchte. Anschlie├čend gehen die Kinder wieder nach Hause, das m├╝ssen Eltern ihnen nat├╝rlich auch zutrauen. Aber wenn sie uns dann kennenlernen, dann sehen sie, dass es funktioniert. Und dass es seinen ganz besonderen Reiz hat.ÔÇť

Auch die Raumsituation, die Kinder und Jugendliche in Trafixx, Funkstation, S├╝dpolstation und Co. vorfinden, ist oftmals eine ganz andere als in der Schule und tr├Ągt zu einer komplett neuen Atmosph├Ąre bei. ÔÇ×Klassenzimmer sind oft darauf ausgerichtet, dass die Kinder und Jugendlichen m├Âglichst ruhig auf einem Stuhl sitzen, w├Ąhrend sie bei uns an der Tischtennisplatte stehen, an der Werkbank oder in der Aufnahmekabine in Aktion sindÔÇť, erz├Ąhlt Katrin Pischetsrieder. ÔÇ×Kinder und Jugendliche m├╝ssen sich treffen k├Ânnen, das ist das Wichtigste. Und dass sich in den Gruppen, die in ihrer Unterschiedlichkeit an Alter und sozio├Âkonomischen Status meist breiter gef├Ąchert sind als in Schulen, eine Dynamik entwickelt, die es spannend macht.ÔÇť

Ganztagsbetreuung – eine Herausforderung f├╝r die Offene Kinder- und Jugendarbeit?

Eine besondere Herausforderung f├╝r die Offene Kinder- und Jugendarbeit stellt sicherlich die Ganztagsbetreuung dar. ÔÇ×Die Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten ein p├Ądagogisches Netz gespannt, das immer dichter wird. Dieses Netz ist wichtig, damit es berufst├Ątigen Eltern erm├Âglicht wird, ihrem Beruf nachzugehen, und dass auch gesellschaftliche Themen, wie bspw. die Gleichberechtigung von Frau und Mann, vorangebracht werdenÔÇť, sagt Andi Huber. ÔÇ×Gleichzeitig muss man eben aufpassen, dass dieses Netz nicht irgendwann so dicht ist, dass die Kinder und Jugendlichen keine Luft mehr zum Atmen haben.ÔÇť Die wichtigsten Ansprechpartner*innen unserer P├Ądagog*innen vor Ort sind die Kinder und Jugendlichen, nicht die Eltern ÔÇô deren Anwesenheit ist meistens sogar explizit nicht erw├╝nscht. ÔÇ×Bei den Eltern ist die Arbeit mit den Kindern oft schwieriger, weil sie eine Leistung erwarten, ein ErgebnisÔÇť, sagt Jakob Steenbock. ÔÇ×Da werden dann die Angebote herausgesucht, die f├╝r die Zukunft am meisten bringen, und dann kommen die Kinder schon mit einem gewissen Druck zu uns. Deshalb bin ich oft froh, wenn ich die Eltern nicht kenne, sondern einfach die Kinder und Jugendlichen fragen kann: Was macht Euch Spa├č, was m├Âchtet ihr machen? Welche Ziele habt ihr, und wie geht ihr ran?ÔÇť

Eine Lobby f├╝r die Kinder und Jugendlichen sein

ÔÇ×F├╝r die Eltern ist es nat├╝rlich wichtig, dass eine hochwertige Betreuung ├╝ber den ganzen Tag gew├Ąhrleistet ist. Aber wie man das Ganze ausgestaltet, da ist vieles noch nicht ausgegoren, und die Tendenz geht leider dazu, alles unter dem Deckmantel ÔÇ×SchuleÔÇť auszuweiten. Das halte ich f├╝r einen FehlerÔÇť, berichtet Andi Huber. ÔÇ×Ich bin der Meinung, selbstgestaltete Freizeit ist wichtig, und dass die Kinder und Jugendlichen da auch ein Recht darauf haben. Wir haben dabei eine Art Anwaltschaft f├╝r die sie, bei der wir ihre Interessen auch vertreten m├╝ssen und wollen. Und diese Interessen sind unserer Meinung nach nicht, dass den ganzen Tag Schule sein soll, sondern dass die Freizeitgestaltung einen anderen Charakter haben muss.ÔÇť Hubers Meinung nach funktionieren Kooperationen zwischen den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und Schule dann am besten, wenn sie auf Augenh├Âhe geschehen, die jeweiligen Erfahrungen eingebracht und entsprechende Kompetenzen auch zugetraut werden k├Ânnen. ÔÇ×Ich kenne mich nicht damit aus, wie Mathematik-Unterricht gestaltet wird, das haben die Lehrkr├Ąfte gelernt. Aber wir wissen, wie man kulturelle Bildung macht und wie Freizeitp├Ądagogik aussiehtÔÇť, sagt er.

ÔÇ×Viele OKJA-Einrichtungen hatten beim Ganztagsausbau Panikreaktionen und Angst, dass die Kinder wegbleiben und ihnen die Existenzgrundlage entzogen wird, und haben sich den Schulkooperationen bspw. mit strukturierter Nachmittagsbetreuung sehr dienstbar gemacht. Das m├Âchten wir nicht. Der Ganztagsgedanke ist grunds├Ątzlich richtig, aber die Ausgestaltung ist nochmal was anderes. Da muss man auf diejenigen h├Âren, die sich gut auskennen – und in der offenen Freizeitgestaltung sind das wir.ÔÇť Auch Katrin Pischetsrieder ist davon ├╝berzeugt, diese Nische weiterhin f├╝r die Kinder und Jugendlichen zu erk├Ąmpfen: ÔÇ×Die Kinder und Jugendlichen sollen nicht nur als Sch├╝ler*innen wahrgenommen werden, sondern vor allem als Menschen.ÔÇť Jakob Steenbock, der sich mit dem Trafixx auf einem Schulcampus befindet, hat da ebenso bereits Erfahrungswerte: ÔÇ×Und wurde schon ein Kooperationsvertrag angeboten, aber das wollen wir nicht. Wir m├Âchten nicht als Schul-, sondern als offenes Angebot wahrgenommen werden. Wir haben z.B. eine tolle Medienp├Ądagogin an Bord, mit der wir gerne gemeinsame Projekte entwickeln k├Ânnen, wenn eine Lehrkraft dabei ist. Da sind wir gerade auch im Gespr├Ąch, welche Angebote wir da kreieren k├Ânnen.ÔÇť

In der OKJA finden Kinder und Jugendliche Bezugspersonen auf Augenh├Âhe

Nicht nur die H├Ąuser der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind f├╝r die Kinder und Jugendlichen eine wichtige Erg├Ąnzung in ihrem Alltag, sondern die Kolleg*innen selbst, die dort arbeiten und Angebote konzipieren. Die p├Ądagogischen Fachkr├Ąfte, die in den Werkst├Ątten und offenen Treffs, am Kicker oder beim Basteln mit den jungen Menschen ins Gespr├Ąch kommen, sind wichtige Bezugspersonen. Gemerkt haben das unsere Einrichtungsleiter*innen gerade in den Monaten, in denen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen war: ÔÇ×Bei den Kindern hatte sich ein enormer Gespr├Ąchsbedarf aufgestaut in der Zeit, wo alles zu und sie eingeschr├Ąnkt warenÔÇť, berichtet Andi Huber. ÔÇ×Ein Videochat kann den pers├Ânlichen Kontakt auch nicht ersetzen ÔÇô schon allein deshalb nicht, weil viele zuhause nicht wirklich frei, ungeh├Ârt und ohne St├Ârungen sprechen k├Ânnen. Wir haben da bei der Wiederer├Âffnung nach der Corona-Schlie├čung Dinge erlebt, die wir so gar nicht kannten. Zum Beispiel, dass die Kinder sich daf├╝r bedanken, dass sie hier sein d├╝rfen.ÔÇť In solchen Momenten wird den P├Ądagog*innen dann richtig bewusst, welche Wertsch├Ątzung von Seiten der jungen Besucher*innen vorhanden ist, und wie wichtig es f├╝r sie ist, dass die H├Ąuser ge├Âffnet sind. ÔÇ×Wir f├╝llen da eine L├╝cke, die zwischen Eltern, Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen oder auch Geschwistern doch noch bleibt, und stellen eine Ansprechbarkeit zur Verf├╝gung, die sie in dieser Weise woanders nicht habenÔÇť, erz├Ąhlt Andi Huber weiter. ÔÇ×Wir wundern uns dann selbst oft, wie frei die Kinder erz├Ąhlen, obwohl wir sie zum Teil ja gar nicht gut kennen. Und das liegt schon am Setting, denke ich. Dadurch, dass wir nicht bewerten, wie bspw. die Lehrer*innen, und auch keinen engen Bezug zu den Eltern haben, vertrauen uns die Kinder und Jugendlichen da vielleicht in manchen Angelegenheiten mehr als anderen. Die wollen oft auch gar nicht, dass man sie ber├Ąt oder etwas dazu sagt, sie m├Âchten einfach nur erz├Ąhlen.ÔÇť

ÔÇ×Ich habe immer wieder das Gef├╝hl, als w├Ąre ich der Kumpel mit mehr LebenserfahrungÔÇť, sagt Jakob Steenbock, der mit den Jugendlichen im Trafixx regelm├Ą├čig gemeinsam im hauseigenen Musikstudio sitzt oder ihnen beim Workshop Griffe auf der E-Gitarre zeigt. ÔÇ×Beim Aufnehmen frage ich dann manchmal schon: Hey, wor├╝ber singst Du denn da, hast Du sowas schon erlebt? Da kommt dann auch einmal die Frage nach der Schweigepflicht, das ist f├╝r sie wichtig. Und wenn sie sich da dann sicher sein k├Ânnen, erz├Ąhlen sie oft Geschichten, die sie erlebt haben, oder vor denen sie Angst haben.ÔÇť

Hey, das bin ich – Ein wertvoller Beitrag zur Pers├Ânlichkeitsentwicklung

In den offenen Kinder- und Jugendfreizeitst├Ątten erleben die jungen Menschen eine Begegnung auf Augenh├Âhe, die neben der M├Âglichkeit, sich dort selbst auszuprobieren und frei in ihrer Selbstorganisation zu sein, enorm zu ihrer Pers├Ânlichkeitsentwicklung beitr├Ągt. Sich zu trauen, ihre Bed├╝rfnisse zu ├Ąu├čern, und mit den Erwachsenen, die eben nicht in einer bestimmten Rolle sind, von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. ÔÇ×Ein M├Ądchen hat das auch mal artikuliert, als sie sagte: ÔÇÜVor einem Jahr, da h├Ątte ich das noch nicht gekonnt.ÔÇś Das hat mich total ger├╝hrt. Diese Erfahrung, selbst etwas bewirken zu k├Ânnen, das hat man sehr stark durch diese Freiheit ÔÇô und eben nicht, weil jemand anders sagt, was zu tun seiÔÇť, erz├Ąhlt Katrin Pischetsrieder. ÔÇ×Etwas kulturell Kreatives zu schaffen, zum Beispiel. Die Kinder und Jugendlichen merken dann: Hey, das bin ich. Das w├Ąre nicht auf der Welt, oder es w├Ąre ganz anders, wenn ich es nicht angegangen w├Ąre. Diese Erkenntnis st├Ąrkt meiner Meinung nach die Kinder und Jugendlichen sehr, und das merken wir.ÔÇť Dinge wie Kreativit├Ąt, Flexibilit├Ąt oder Selbstorganisation sind F├Ąhigkeiten, die in der heutigen Berufswelt zweifelsfrei gefordert sind, die sich jedoch aufgrund von oftmals vorhandenen Strukturen in Schulen nur bedingt erlernen lassen. Hierbei leistet die Offene Kinder- und Jugendarbeit einen wertvollen Beitrag: ÔÇ×Bildung bedeutet eben auch die Formung als Mensch. Wie m├Âchte ich sein, welche Werte sind mir wichtig? Wie interagiere ich mit anderen Menschen, wie l├Âse ich Konflikte?ÔÇť, sagt Andi Huber. ÔÇ×All das lernt man eher im Privaten, in seiner Peer-Gruppe, und dort, wo ich meine Freizeit verbringe. Wie gesagt, Jugendarbeit ist f├╝r ganz viele Menschen im R├╝ckblick etwas, das sie gepr├Ągt und ihnen Orientierung gegeben hat. Orte, an denen Kinder und Jugendliche erfahren, was ihre St├Ąrken und Schw├Ąchen sind und Ideen daf├╝r bekommen, wie sie ihr Leben eigentlich gestalten m├Âchten.ÔÇť

Feierwerk_Blog_Offene_Kinder_und_Jugendarbeit_OKJA_M├╝nchen_credits_Feierwerk (2)

Gl├╝cksmomente kreieren und Resilienz f├╝r Krisen schaffen

Der wichtige Stellenwert, den die OKJA in unserer Gesellschaft einnimmt, gerade auch in Zeiten wie diesen, ist mir im Gespr├Ąch mit Andi Huber, Katrin Pischetsrieder und Jakob Steenbock nochmal klar und deutlich geworden. Der Wunsch nach ge├Âffneten Kitas und Schulen, nach Struktur, einem geregelten Alltag und der R├╝ckkehr zur Normalit├Ąt ist bei Eltern derzeit allgegenw├Ąrtig. Bei alldem geht es aber grunds├Ątzlich noch um etwas v├Âllig anderes: Um die Kinder und Jugendlichen selbst. ÔÇ×Sie sind die Gesellschaft von morgen, und von heute. Die Pandemie hat ja ganz viel damit zu tun, wie wir Zukunft gestalten m├Âchten ÔÇô somit sollten im besten Sinne des Wortes auch diejenigen wahrgenommen und geh├Ârt werden, die die Zukunft eben sindÔÇť, sagt Katrin Pischetsrieder. ÔÇ×Ich w├╝rde mir wahnsinnig w├╝nschen, dass Kinder und Jugendliche noch mehr in den Blickpunkt ger├╝ckt werden, und zwar nicht nur als Objekte, die beschult oder betreut werden m├╝ssen, sondern wirklich mit ihrer Stimme.ÔÇť

Dem stimmt auch Andi Huber zu: ÔÇ×Das Problem ist, dass die Kinder da weiterhin keine eigene Lobby haben. Die stehen unter einem unglaublichen Druck. Ihnen wird enorm viel zugemutet: Sie sollen unter v├Âllig ver├Ąnderten Bedingungen Krisen bew├Ąltigen, ge├Ąnderte Rahmenbedingungen hinnehmen, funktionieren und blo├č nicht irgendwas an Schulstoff verpassen. Ich f├╝rchte, in vielen F├Ąllen wurde jetzt nicht auf die Schulter geklopft und gesagt: Boa, Wahnsinn, was Du unter diesen Umst├Ąnden geleistet hast. Was den Kindern und Jugendlichen da abverlangt wird, ist viel mehr, als den meisten Erwachsenen in einer solchen Krise. Wir haben da noch am ehesten die Aufgabe, die Stimme der Kinder und Jugendlichen in der ├ľffentlichkeit zu vertreten, aber eigentlich sollten sie auch selbst mit ihren Interessen, ├ängsten und Bed├╝rfnissen geh├Ârt werden.ÔÇť ÔÇ×Das ist auch ganz stark eine Sache von ResilienzÔÇť, erg├Ąnzt Katrin Pischetsrieder. ÔÇ×Auch deshalb sind wir so wichtig, weil wir diese Erlebnisse schaffen k├Ânnen. Die Gl├╝cksmomente, die gerade in Bewegung beim Sport oder beim Kreativsein entstehen, und die eben diese Widerstandskraft in solchen Krisen st├Ąrken k├Ânnen.ÔÇť

  • Feierwerk unterst├╝tzen

    Als gemeinn├╝tziger Verein f├╝r junge Kunst, Musik und Kultur finanzieren wir uns haupts├Ąchlich ├╝ber Zusch├╝sse, Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen. Wenn du unseren Beitrag zur F├Ârderung der jungen Kultur in M├╝nchen wertvoll findest und die M├Âglichkeit hast, uns zu unterst├╝tzen, freuen wir uns gerade in Zeiten wie diesen ├╝ber deine Spende (├╝ber Paypal / per ├ťberweisung) an unseren F├Ârderverein oder ├╝ber deine Mitgliedschaft in unserem F├Ârderverein.

  • Julia Irl├Ąnder

    Julia betreut im Feierwerk die Pressearbeit und leitet federf├╝hrend den Feierwerk Blog. Privat ist sie Mama von zwei kleinen Schlafr├Ąubern und macht mit Eveline vom Radio den Familienpodcast "dreijahrewach".

    EINEN KOMMENTAR HINTERLASSEN