Jugendredaktion

Klappe und Action im Trafixx: Filme und die Faszination des bewegten Bildes

In meinem Viertel gibt es seit mittlerweile sieben Jahren einen Jugendtreff vom Feierwerk, der √ľber die Zeit multiple Ver√§nderungen durchgemacht hat. Ganz am Anfang bestand das Projekt aus einem Zirkuszelt auf einer Wiese. Bis die Stadt f√ľr ein Upgrade aufkam und aus zwei Trucks eine Art Haus gebaut wurde.¬† Dann musste das Projekt jedoch weg von dem Grundst√ľck und f√ľr uns Kinder gab es nur noch einen Wohnwagen am Stra√üenrand. Irgendwann wurde der gesamte Jugendtreff in ein echtes Haus verlegt: mit R√§umen, Computern und sogar einer K√ľche. Heute gehen tagt√§glich viele Jugendliche aus und ein – und drehen sogar einen eigenen Film in den R√§umen des Jugendtreffs vom Feierwerk Trafixx!

Kreativität und Eigeninitiative: Mein eigenes Filmprojekt

Von Basteln √ľber Sportangebote bis hin zur Musikproduktion wird echt viel in dem neuen Haus angeboten. Die Vielzahl der Projekte zeichnet diesen Jugendtreff besonders aus. Das Sch√∂ne daran ist, dass Kinder und Jugendliche jeder Altersstufe daran beteiligt werden und es f√ľr alle gleich viel Spa√ü macht.

Wir k√∂nnen bei der Programmgestaltung mitreden, unsere eigenen Ideen einbringen und umsetzen. Eines der besten Beispiele daf√ľr ist das Filmprojekt, das seit Mitte Januar stattfindet und an dem ich beteiligt bin. Ich wusste urspr√ľnglich √ľberhaupt nicht, dass es das Projekt gibt ‚Äď bis meine Schwester eines Tages etwas gehetzt aus der Schule nach Hause kam. Sie schlang ihr Mittagessen innerhalb von einer Viertelstunde hinunter, weil sie kurz danach zum Filmprojekt gehen wollte. Ich f√ľr meinen Teil war sofort interessiert, als ich ‚ÄěFilm‚Äú geh√∂rt habe. Nachdem wir gekl√§rt hatten, dass ich mitmachen darf, war ich ebenfalls ein wenig gehetzt, aber auch super aufgeregt. Ich hab mich wirklich darauf gefreut, weil mir Filmproduktionen von allen Variationen des kreativen Auslebens am allermeisten liegen.

Warum gerade Film?

Anders als zum Beispiel beim Schreiben einer Geschichte kann einem bei einer Low Budget-Filmproduktion, bei der man von¬†der Planung √ľber die Kameraf√ľhrung bis zum Schnitt f√ľr alles verantwortlich ist, gar nicht langweilig werden. Jeder Teil der Produktion befindet sich in einem v√∂llig anderen kreativen Bereich. Und genau das unterscheidet einen Film von jedem Buch, jedem Gem√§lde und jedem Song: ein Film ist eine ausgekl√ľgelte Mischung¬†aus all diesen Bereichen und generiert mit bewegtem Bild, Ton und Skript eine tiefe Faszination, die f√ľr diese Kunstform einmalig ist. Und aus dieser menschlichen Faszination heraus¬†hat sich der Film zu einem der¬†erfolgreichsten und einem bew√§hrten Konzept unserer Gesellschaft entwickelt. ¬†YouTube, Netflix oder Amazon Prime ‚Äď heutzutage ist ein Leben ohne die Filmindustrie fast nicht mehr vorstellbar.

Ein wichtiger Aspekt, der zum Erfolg des Films beitr√§gt, ist die Tatsache, dass man kein Profi sein muss, um seine eigene Produktion auf die Beine zu stellen. In den meisten Berufsfeldern ist das nicht m√∂glich: ein Amateur wird zum Beispiel Schwierigkeiten haben, sein Haus komplett alleine zu bauen. F√ľr eine Filmproduktion reicht jedoch im Prinzip eine Handykamera und ein rudiment√§res Schnittprogramm ‚Äď und schon hat man ein kurzes Video f√ľr den eigenen YouTube-Channel fertiggestellt.

Vom Storyboard bis zum Schnitt: Ablauf unseres Filmprojekts

Schon √ľber die Weihnachtsferien haben meine Schwester und ich ein Konzept f√ľr einen Film entwickelt: Es sollte ein Science Fiction-Kurzfilm werden, bei dem es um den technischen Fortschritt der Zukunft geht. Dieser ist so weit voran geschritten, dass Kinder nicht mehr auf dem Spielplatz, sondern in Virtual Reality-Abenteuern miteinander spielen. In dem Abenteuer m√ľssen die Kinder ein Raumschiff komplett selbst steuern, nachdem sie eine kurze Einf√ľhrung von den Spielmachern erhalten haben. Nat√ľrlich kommt es sofort zu einer Reihe von ernsthaften Komplikationen und die Kinder m√ľssen lernen, zusammenzuarbeiten, um die Probleme zu l√∂sen. Sie wissen allerdings nicht, dass jemand in den Eingeweiden des Schiffes immer mehr ihrer Systeme zerst√∂rt und sie absichtlich sabotiert. Werden die Kinder eine Notlandung auf einem fernen Planeten schaffen, bevor das Schiff nicht mehr zu retten ist?

Feierwerk_Blog_Jugendredaktion_Filprojekt Raumschiff_Mindmap

An diesem Punkt erfuhren wir vom DOK.fest M√ľnchen, einem Internationalen Dokumentarfestival, das seit 1985 j√§hrlich stattfindet. Es geh√∂rt mit 45.000 Zuschauern zu den gr√∂√üten Festivals in Europa. Letztes Jahr wurde dort auch vom Feierwerk ein Beitrag eingereicht, der sogar einen Preis gewonnen hat.

Einen Spielfilm zu einem Dokumentarfilm verwandeln?

Nun standen wir mit unserem Konzept also vor der Frage, wie wir unseren geplanten Spielfilm bei einem Dokumentarfestival einreichen k√∂nnen. Nach einer kurzen Diskussion fanden wir eine einfache, pragmatische und schmerzhaft offensichtliche L√∂sung: wir drehen einen Dokumentarfilm dar√ľber, wie wir mit den Kindern im Jugendtreff einen Spielfilm drehen. Ich bin immer noch stolz auf den Einfall, weil wir uns damit nicht mal mehr Arbeit machen ‚Äď in der ohnehin schon begrenzten Zeit, die uns zur Verf√ľgung steht. Wir schalten die Kamera einfach schon fr√ľher ein, begleiten die Vorbereitungsphase und jeder unserer Schauspieler bekommt ein Einzelinterview. In den Interviews geht‚Äôs um die Kinder und ihr allt√§gliches Leben im Viertel.

Step by Step zum Film

Nachdem das Konzept stand, bewegte sich unser Projekt langsam in die Produktionsphase. Im Prinzip besteht ein Film aus drei großen Blöcken:

  1. Der Vorproduktion, in der die Grundidee ausgearbeitet wird. Darauf basieren dann die Ausarbeitung der Szenen, das Skript und am Ende das Storyboard. Das Storyboard ist sozusagen die Bibel des Drehs. Darin ist jedes Detail √ľber die Szene festgehalten ‚Äď von den Personen √ľber den Kamerawinkel bis zu den T√∂nen im Hintergrund. Der Regisseur orientiert sich, genauso wie der Kameramann und der Produzent, haupts√§chlich am Storyboard. Damit kann der Drehtag so reibungslos wie m√∂glich ablaufen.
  2. Dem Dreh, bei dem das Storyboard umgesetzt wird. Schauspieler kommen zum Set und spielen vor der Kamera. Dieser Teil der Produktion nimmt am wenigsten Zeit in Anspruch, weil alles schon komplett durchgeplant ist.
  3. Der Nachproduktion, in der das komplette Material gesichtet und geschnitten wird. Der Schnitt ist einer der bedeutungsvollsten Produktionsschritte, weil sich hier endlich alle Einzelteile zusammenf√ľgen. Es stellt sich heraus, ob die Szene wie geplant geschnitten werden kann oder ob √Ąnderungen vorgenommen werden m√ľssen. Aus diesem Grund sind manchmal Nachdrehs n√∂tig, um L√ľcken zu f√ľllen. Und schlie√ülich wird der Sound hinzugef√ľgt, der sich aber nicht nur auf die Musik beschr√§nkt. Er schlie√üt auch alle anderen Soundeffekte mit ein, in unserem Fall zum Beispiel das Piepen einer Warnmeldung.

Wenn all das geschafft ist, stellt man fest, dass es sich gelohnt hat: Das ganze Kopfzerbrechen, wenn ein bestimmter Schauspieler krank ist und ein kompletter Drehtag deswegen verschoben werden muss. Die ganze m√ľhsame Organisation und jeder Moment, in dem man √ľber das Schnittprogramm geflucht hat. Wenn man sieht, wie stolz die Kinder darauf sind, in diesem Film mitzuspielen. Weil es sich gut anf√ľhlt, Teil von etwas zu sein, das gr√∂√üer ist als man selbst.

– Sarah Tiller f√ľr das Feierwerk Trafixx

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